< 22.10.2021 - Winter-Öffnungszeiten im Tierpark Kunsterspring

24.10.2021 - Kreative Workshops zur Wechselausstellung 100 Jahre Gildenhall im Museum


Else Mögelin, Malerin und Weberin, leitete von 1927 bis 1945 die Textilklasse derereien findet man in Kirchen, Kunstgewerbeschule Stettin.© Museum Neuruppin

Else Mögelin, Malerin und Weberin, leitete von 1927 bis 1945 die Textilklasse derereien findet man in Kirchen, Kunstgewerbeschule Stettin.© Museum Neuruppin

Am 3. Oktober 2021 eröffnete das Museum Neuruppin seine neue Wechselausstellung anlässlich des 100. Jubiläums der Gründung der Gildenhall Freiland-Siedlung:

Die Siedlung Gildenhall entstand ab 1921 am Ostufer des Ruppiner Sees. Der Berliner Zimmer- und Baumeister Georg Heyer hatte eine stillgelegte Ziegelei sowie das umliegende Gelände gekauft. Hier errichtete er ein Sägewerk, eine Zimmerei und eine Bautischlerei sowie ein Wohnhaus für seine Familie. Seinem Siedlungsaufruf folgten Handwerker:innen und Künstler:innen, die sich ebenfalls in Gildenhall niederließen.

In diesem Siedlungsprojekt verband sich moderne Architektur mit lebensreformerischen Wohn- und Arbeitsidealen. Einige der Künstler:innen hatten in Weimar am Bauhaus studiert und brachten dessen handwerkliches Selbstverständnis und neue Gestaltungs-Prinzipien in Gildenhall ein. Auch die Ideen des Deutschen Werkbunds beeinflussten das Projekt Gildenhall. Die Gildenhallerinnen und Gildenhaller organisierten sich als Genossenschaft und verwirklichten ein alternatives Lebens- und Wirtschaftskonzept. Es war der Versuch, ein Lebensmodell zu finden, das sich abgegrenzte zu den großstädtischen Arbeits- und Lebensverhältnissen mit entmenschlichter Massenproduktion, Wohnungsnot, den unhygienischen Verhältnissen, der weit verbreiteten Arbeitslosigkeit, dem Massenelend nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg.

Gildenhall stand für solides Handwerk, hohe praktische und ästhetische Qualität der Produkte für den täglichen Gebrauch sowie eine gesunde natürliche Lebensweise. Gildenhaller Produkte fanden viel Anerkennung auf überregionalen Verkaufs- und Ausstellungsmessen. Ende der 1920er Jahre blieben infolge der Weltwirtschaftskrise auch in Gildenhall die Aufträge aus, die Verschuldung nahm zu, Werkstätten gingen bankrott. Die Liquidation der Handwerkerschaft im Februar 1933 war der letzte Akt dieses einst so hoffnungsvollen Unternehmens.

Doch was blieb von Gildenhall? Wie prägte die Gildenhaller Zeit die Menschen? Was nahmen die Gildenhaller Frauen und Männer mit auf ihren weiteren beruflichen und künstlerischen Lebensweg? Die Ausstellung geht den Spuren der Gildenhaller Protagonist:innen nach. Die von Hendrik Schink, Gründungsmitglied des Vereins Gildenhall Horizonte e.V., kuratierte Ausstellung präsentiert Objekte der Gildenhallerinnen und Gildenhaller, auch aus den Jahren nach ihrem Gildenhall-Aufenthalt. Zahlreiche Leihgaben von Privatleuten und anderen Museen unterstützen die Präsentation.

Im Rahmen eines umfangreichen Begleitprogramms werden Vorträge sowie Kreativ-Workshops angeboten. Eine Übersicht der Workshops in den Herbstferien finden Sie HIER.